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Ernst Moritz Arndt kommt, wie so viele bedeutende Männer,
aus einfachen Verhältnissen. (....) Alle Vorfahren
und Nachkommen,die dem weitverzweigten Familienkreis
um Ernst Moritz Arndt angehören, besonders von
der vierten Generation ab, ausfindig zu machen, ist
gewiß nicht einfach gewesen für den Urenkel
Ernst Moritz Arndt, der aus Familienpapieren, Urkunden,
Kirchenbüchern und Briefen die "Geschichte
des Geschlechts "Arndt" (Nachkommen des Andreas
Arndt zu Putbus) nebst Stammtafel und einem Wappen"
im Jahre 1898 zusammengestellt hat. Nach langer und
aufwendiger Arbeit erkennt er, daß seine Zusammentragungen
nicht vollständig sind, "das liegt eben darin,
daß es eine sehr schwierige Aufgabe ist, die ich
mir gestellt habe und die vollkommen, ohne Lücken,
zu lösen, wohl kaum einem Sterblichen gelingen
dürfte". In den letzten hundert Jahren haben
mehrere Arndtforscher - unter ihnen Professor Dr. Victor
Loebe aus Putbus und aus Loitz Dr. Erich Gülzow
- durch glückliche Fügungen neue Erkenntnisse
gewonnen. Dadurch vermögen wir die häufigen
Behauptungen der Besucher des Geburtshauses von Ernst
Moritz Arndt und des Arndt-Museums in Garz, sie seien
mit "unserem Arndt" verwandt, auf ihre Richtigkeit
hin prüfen zu können.
Heute wissen wir auch, daß die von Ernst Moritz
Arndt zeitlebens geglaubte Familienüberlieferung,
der erste bekannte Stammherr des Geschlechts sei ein
Schwede oder ein Corporal in einem finnischen Regiment
gewesen, der nach dem 30jährigen Krieg (1818-1648) auf die damals schwedische Insel Rügen einreiste
und sich in ein Bauernwesen, der Herrschaft Putbus gehörig,
eingeheiratet habe unrichtig ist. Ernst Moritz Arndts
Vorfahren väterlicher- und mütterlicherseits
stammen seit Jahrhunderten von Rügen, waren hauptsächlich
Bauern, hatten sich ausgebreitet und genossen weit und
breit berechtigtes Ansehen. Der Name Arndt - auch Arnd,
Arend, Arens, Ahrend, geschrieben - kommt auf Rügen
häufig vor. E. M. Arndts Vater, Ludwig Nicolaus,
war der erste des Familienkreises, der seinen Namen
mit "dt" zu schreiben begann. (....)
Ernst Moritz Arndts Urgroßvater, Andreas Arnd
war Schäfer, ebenso auch sein Großvater Ludewig
(Ludwig) Arnd, und einer der Brüder seines Vaters,
Hinrich Arnd, sowie andere Verwandte.
Der Beruf des Schäfers war also altüberliefert
in der Familie. Im Jahre 1718, noch zu Lebzeiten des
Urgroßvaters, war die Putbuser Schäferei
ein eigenes Gehöft mit Wohnhaus, Scheune, Jährlings-
und großem Schafstall. Wo heute - noch! - der
Marstall steht, befand sich das Gutshaus. Das Schloß
war seinerzeit noch nicht erbaut. Die Schafherde bestand
aus mehr als siebenhundert Tieren, und jedes fünfte
Schaf gehörte dem Schäfer, von ihm "darein
vermenget". Der Schäfer trug also eine große
Verantwortung und eigene Gefahr. Er durfte kein Neuling
im Fache sein. So ist es wohl kaum anzunehmen, daß
ein schwedischer Corporal, der aus der Fremde nach Putbus
kam, in die Schäferei der Herrschaft eingesetzt
worden währe. (....)
Wie konnte die Familiensage von der schwedischen Herkunft
der Arndts entstehen? (Auch) Die Beantwortung dieser
Frage haben wir Dr. Erich Gülzow zu verdanken.
Bei seiner Arndtforschung fand er ein Schriftstück,
datiert auf den 31. August 1722. Darin ist zu lesen:",...
Mons Berg aus Carlscrona gebürtig, ein Freyer Mensch,
seiner profession nach ein Schäfer, gibt sich an,
der gnädigen Herrschaft leibeigener Unterthan zu
werden, wenn ihm die Heyrath mit Grete Uteschen, einer
herrschaftlichen Unterthanin, bewilligt worden; nachdem
nun deßhalb keine Bedenken gefunden, und Grete
Uteschen Mutter, itzo Michel Bresen Ehefrau, darin consistiret.
So ist abseiten der Herrschaft der erforderte consensus
ertheilt: jedoch daß supplicant vorhero den persönl.
Unterthanen Eyd abschwöret." - Das ist
dann nach einem an deren Aktenstück an demselben
31. August 1722 geschehen."
Diese Liebesheirat, um derentwillen sich der aus Karlskrona
Stammende Schäfer Magnus Berg seiner Freiheit und
Freizügigkeit begab, hat sicher in Putbus viel
von sich reden gemacht.
Mons Berg war 1754 als Einlieger in Lonvitz bei Putbus
gestorben. Alles das liegt lange genug vor Arndts Geburt
und bewußter Kindheit, um es durchaus denkbar
erscheinen zu lassen, daß der Schäfer Mons
Berg entweder geradezu mit dem Putbuser Schäfer
Arndt verwechselt worden ist oder wenigstens seine schwedische
Herkunft auch der eingesessenen Schäferfamilie
angedichtet wurde.
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