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"Weil der Nationalgeist fehlt,
ist ein Volk von 30 Millionen der Spott Europas geworden",
stellte Ernst Moritz Arndt mit Blick auf Deutschland
fest.
Dank dem Wohlstand seiner Eltern und ihrem Verständnis
für die Schwierigkeiten und Nöte eines Heranwachsenden
vollzog sich Arndts Start ins Leben unter günstigen
Voraussetzungen.
Seine Bildungsreise, die er 1798 antrat und die ihn
durch Süddeutschland, Österreich, Ungarn,
Norditalien, Frankreich und Belgien führte, spielte
in seinem Entwicklungsgang eine wichtige Rolle. Er fühlte
sich damals durchaus als schwedischer Staatsbürger
deutscher Kultur, denn Rügen und Pommern gehörten
zu jener Zeit zur Krone Schwedens.So erweiterte diese
Reise seinen Erfahrungshorizont und sprengte die provinzielle
Enge seiner bisherigen Vorstellungen.
Er war nicht der Typ des Historikers, der exakte Tatsachenforschung
betrieb und sich sorgsamen, spitzfindigen Quelleninterpretationen
zuwandte. Geschichtliches Wissen diente ihm ausschließlich
dazu, politisch zu wirken, das Verständnis der
Gegenwart zu erschließen und Projektionen für
die Zukunft zu machen.
Als er 1803 die Schrift "Versuch einer Geschichte
der Leibeigenschaft in Pommern und Rügen" veröffentlichte,
war das der Eintritt ins politische Leben seiner Zeit.
Arndt hatte sich bewährt als ein unermüdlicher
Anwalt der Bauern, als ein Fürsprecher für
ihre Befreiung aus den Fesseln feudaler Abhängigkeit,
als ein Vorkämpfer für die Sicherung ihrer
sozialen Existenzrechte gegenüber der Adelswillkür.
In den Jahren 1812-1815 erreichte er den Höhepunkt
seiner politischen Aktivitäten. Seine Worte, seine
Verse, seine nationale Begeisterung, aber auch sein
Haß gegen die französischen Unterdrücker
fanden im Volk starken Widerhall. Um sich den Massen,
die überwiegend religiös gesinnt waren,verständlich
zu machen, begann er, seine Sprache an den Schriften
Luthers, vor allem am Text des Alten Testaments, zu
schulen. Damit war eine Wiederbelebung seines christlichen
Glaubens verbunden, die Rückkehr zur Gläubigkeit
seiner Kindheit und Jugend. Er nahm sich das Recht,
seinen göttlichen Herren zum Gott der Deutschen,
zum Schirmherrn und Waffenbruder seines Volkes im Kampf
gegen die Fremdherrschaft zu erklären. Gott und
Volk sind Begriffe, die in den Schriften und Gedichten
jener Jahre am häufigsten auftauchen.
Ernst Moritz Arndt traf am besten den Ton des Volkes,
und er wurde so zum meistgelesenen Publizisten der Befreiungskriege.
Die Zahl der Veröffentlichungen dieser Jahre und
ihre, für die damalige Zeit hohen Auflagenziffern
sprechen dafür. Seine Schriften über das Ethos
patriotischer Soldaten und über die Volksbewaffnung
haben die Erhebung in Preußen und in anderen Teilen
Deutschlands wirksam unterstützt.
Arndts Patriotismus gründete sich auf seine Identifizierung
mit den Interessen und Wünschen der einfachen Menschen,
auf seiner Sehnsucht nach einem Vaterland, nach einem
Staat der Deutschen, der in der Lage war, der Mitwirkung
des Volkes Raum zu bieten. Er ist einer der Väter
der Idee vom bürgerlichen Nationalstaat der Deutschen
gewesen. Darin liegt der Grund für die große
Wirkung, die er auf nachfolgende Generationen ausgeübt
hat. Kein anderer Ideologe der nationalen Bewegung von
1806 bis 1815 hatte einen so nachhaltigen Einfluß
auf die Gedankenwelt späterer politischer Bewegungen,
Parteien und Strömungen. Politiker und politische
Schriftsteller aller Lager haben Ernst Moritz Arndt
immer wieder für die Begründung ihrer jeweiligen
Thesen, Forderungen und Standpunkte in Anspruch genommen.
Das hat in späteren Jahrzehnten zu einem nationalistischen
Mißbrauch seines Gedankenguts geführt. Die
furchtbaren Folgen zweier Weltkriege sind bekannt.
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