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Ernst Moritz Arndt verstand den Dichter
als Diener des Vaterlandes, der mit der Kraft der Muttersprache
nationale Erziehungsarbeit zu leisten hatte und dessen
Sprachgewalt ein scharfes Schwert gegen die französische
Fremdherrschaft sein sollte. Das führte zu einem
besonderen Charakter Arndtscher Lyrik, sowohl im Inhalt
als auch in der künstlerischen Gestaltung.
Für Arndt stellte der Kampf gegen die napoleonische
Fremdherrschaft in den Jahren 1812 bis 1815 die zentrale
Aufgabe dar, und jedes Opfer schien ihm gerechtfertigt.
Für dieses Ziel schrieb er seine Verse. Raum für
kooperative, pazifistische und humane Erwägungen
im heutigen Sinne ließen ihm diese Zeiten nicht.
Da er mit der scharfen Ablehnung der französischen
Aggression die Denkrichtung der Mehrheit aller Deutschen
vertrat, erreichten seine "Lieder"
eine so große Verbreitung, waren in ganz Deutschland
verbreitet. Sie besaßen darüber hinaus für
die Vormärzlyrik Beispielwirkung, wurden aber in
späteren Jahrzehnten nationalistisch mißbraucht.
Es gibt einen weiteren Themenkreis des dichterischen
Schaffens Ernst Moritz Arndts der hier unbedingt erwähnt
werden muß: seine zahlreichen Gedichte und Lieder,
in denen er die Schönheit seiner Heimat, der Insel
Rügen, besingt. Als Beispiele seien hier die Gedichte
"Lebenstraum" und "Heimweh
nach Rügen" genannt.
Weit weniger bekannt als der pariotische Schriftsteller
zur Zeit der antinapoleonischen Befreiungskriege ist
Arndt als Autor geistlicher Lieder. In der Fachliteratur
wird er sogar als ein "Erneuerer des evangelischen
Kirchenliedes im 19. Jahrhundert" bezeichnet.
1806 bis 1809 wandte sich Arndt bei seinem zweiten Schwedaufenthalt
wieder intensiver der Religion zu. In der Zeit von 1808
bis 1811 entstand das "Gebetsbuch für zwey
fromme Kinder" als seine erste bekannte geistliche
Dichtung. Er widmete das Buch der Baronin Elisa von
Munch.
Die Übersiedlung nach Bonn brachte auch in kirchlicher
Hinsicht einen Einschnitt im Leben Arndts mit sich.
1818 erschien aus dem Bemühen um ein besseres Gesangbuch
für seine Bonner Gemeinde die Schrift "Von
dem Wort und dem Kirchenliede". Im Anhang zu
dieser Schrift veröffentlichte er eine Sammlung
von 33 eigenen geistlichen Liedern. 13 Lieder waren
früher entstanden und zumeist dem "Gesangbuch
für zwey fromme Kinder" entnommen. Die
übrigen zwanzig Lieder hatte er erst 1818 verfaßt.
Sie enthalten ein Fülle von Anspielungen auf biblische
Textstellen und Lehren. Einige dieser Lieder werden
noch heute gesungen.
Einen abrupten Abbruch der literarischen Schaffensperiode
wurde durch Arndts Suspendierung vom Amt des Universitätslehrers
bewirkt. Es ist durchaus verständlich, daß
in den insgesamt 20 Jahren seiner Amtsenthebung wenig
bedeutende Literatur entstand.
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